CeBIT
Weltgrösste Computermesse in Hannover
Mit über 6 500 Ausstellern, davon 43 Prozent aus dem
Ausland, und einer Nettoausstellungsfläche von etwa
355 000 Quadratmetern unterstreicht die CeBIT auch im Jahr
2003 ihre Solistenrolle im Konzert der weltweiten ITK-Messen.
Innerhalb weniger Jahre hat sie sich von einem Angebotsschwerpunkt
der Hannover Messe zur größten Messe der Welt
und zur internationalen Leitmesse für Informationstechnik
und Telekommunikation entwickelt.
Seit
17 Jahren treffen sich Anbieter und Anwender der Informations-
und Telekommunikations-Branche aus aller Welt jedes Jahr
im Frühjahr in Hannover auf der CeBIT. Ihrem Debüt
am 12. März 1986 war eine langwierige und schwierige
Entscheidungsfindung vorausgegangen. Denn die DV-Industrie
war zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil der Hannover
Messe geworden und hatte wesentlich zum einzigartigen Stellenwert
dieser weltweit größten Investitionsgütermesse
beigetragen. Immer mehr zogen die DV-Aussteller neben den
Experten auch tausende von Nicht-Fachleuten in ihren Bann.
Entwicklung
von 1950 bis 1984
Schon Ende der 50er Jahre war die damals unter der Bezeichnung
„Büroindustrie“ zusammengefasste Branche
auf den dritten Platz aller auf der Hannover Messe ausstellenden
Industriezweige vorgerückt. Und im Zuge der fortschreitenden
Elektronisierung sorgte sie auf dem jährlichen Industrietreff
vor allem in den 60er Jahren für zahlreiche Highlights.
So stellte Heinz Nixdorf, der spätere Vorzeigeunternehmer
der deutschen DV-Branche schlechthin, 1965 in Hannover erstmals
seinen legendären Universalrechner 820 vor.
1970
unterstrich die Deutsche Messe AG mit der neu gebauten Halle
1 am Eingang Nord des Messegeländes die Bedeutung dieses
Industriesegments für die Hannover Messe. Es entstand
ein mächtiges Gebäude, bestehend aus drei unterschiedlichen
Nutzungsebenen: einer Garage im Tiefgeschoss mit Parkplätzen
für rund 2 000 Aussteller, einer Bruttoausstellungsfläche
von 70 300 Quadratmetern im Erdgeschoss und einer Dachebene
mit 750 kleinen Fertighäusern, auch „Trelemente“
genannt. 1984 wurde sie als „weltgrößte
ebenerdige Messehalle“ ins Guinness-Buch der Rekorde
aufgenommen.
Die
Namensgebung
Mit der neuen Halle erhielt der Ausstellungsschwerpunkt
Büroindustrie auch einen neuen Namen: CeBIT –
„Centrum der Büro- und Informationstechnik“.
Er hatte sich im Ausstellerbeirat mit knapper Mehrheit gegenüber
der Bezeichnung CeBOT – „Centrum für Büro-
und Organisationstechnik“ auch deshalb durchgesetzt,
weil die zweite Silbe BIT für die kleinste und wichtigste
Einheit eines Computers steht und man damit die zunehmende
Bedeutung der elektronischen Datenverarbeitung hervorheben
wollte. Tatsächlich drehten sich in den 70er und besonders
in den 80er Jahren, als die PC-Hersteller die Hannover Messe
stürmten, die meisten Gespräche um Bit und Byte.
Dass
sich die DV-Branche aber in immer mehr Teilsegmente mit
immer neuen Unternehmen ausdehnen und von zum Teil enormen
Wachstumsschüben geprägt sein würde, konnte
bei der Einweihung der CeBIT-Halle 1970 niemand vorausahnen.
Schnell waren die Platzkapazitäten der riesigen Halle
1 erschöpft. Deshalb stellte die Deutsche Messe AG
Ende der 70er Jahre den DV-Ausstellern zusätzlich die
Hallen 2 und 18 sowie Anfang der 80er Jahre die Halle 3
zur Verfügung. Dies war aber nur ein Tropfen auf dem
heißen Stein. Denn immer mehr DV- und Software-Anbieter,
ganz zu schweigen von den neu aufkommenden PC-Herstellern,
wollten die CeBIT im Rahmen der Hannover Messe als Präsentationsplattform
nutzen. Aus dem einstigen „Centrum für Büro-
und Informationstechnik“ war das „Welt-Centrum
für Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik“
geworden.
CeBIT
als eigenständige Messe
Dennoch blieb für viele ausstellungswillige DV-Anbieter
das Tor zur CeBIT verschlossen, weil ihnen die Deutsche
Messe AG keine Standfläche mehr zur Verfügung
stellen konnte. Schon 1980 verzeichnete die Messegesellschaft
für den Bereich Informations- und Kommunikationstechnik,
der nach Ausstellerzahlen mittlerweile den zweiten Platz
nach der Elektrotechnik einnahm, den größten
Nachfragestau und die längste Warteliste. Auch die
Hinzunahme weiterer Hallen konnte kaum Abhilfe schaffen.
Den Wünschen der teilnehmenden Unternehmen nach mehr
Ausstellungsfläche war nicht mehr nachzukommen. Ein
Messesplit schien unvermeidlich.
Tatsächlich
gab die Deutsche Messe AG im November 1984 bekannt, von
1986 an jährlich eine Hannover Messe CeBIT im März
und eine Hannover Messe Industrie vier Wochen später
im April zu veranstalten. Leicht gemacht hatte sich die
Messegesellschaft diese Entscheidung nicht. Ihr gingen monatelange
Gespräche mit Vorständen und Geschäftsführern
der maßgeblichen Ausstellerverbände und der Industrie
voraus. Schwerpunkte dieser Diskussionen waren die Einschätzung
der Marktsituation und die Abwägung des Risikopotenzials.
Die wichtigste Frage lautete: „Was geschieht, wenn
wir nichts tun?“
Debatte
um die Trennung
1985 stellte die letzte einheitliche Hannover Messe eindrucksvoll
unter Beweis, wie nötig die Zellteilung war. Gegenüber
1970 hatte sich die Zahl der IT-Aussteller auf 1 300 verdoppelt,
870 Unternehmen standen auf der Warteliste. Die vermietete
Fläche war um das Zweieinhalbfache auf 130 600 Quadratmeter
gestiegen, und gar fast um das Fünffache – auf
293 000 Besucher – hatte die Zahl der Interessenten
zugelegt, die sich über das Neueste in diesem Bereich
informierten. Mit den zur Hannover Messe 1985 insgesamt
gezählten knapp 7 000 Ausstellern und mehr als 800
000 Besuchern stieß man deutlich an die Kapazitätsgrenzen.
Der
Beschluss, die büro-, informations- und kommunikationstechnische
Industrie in eine eigenständige Messe auszugliedern,
war dennoch keineswegs unumstritten. Auf der Hannover Messe
1985 avancierte diese Abkoppelung zum Messethema Nummer
1, und in der IT-Branche selbst diskutierte man noch bis
kurz vor der ersten eigenständigen CeBIT vehement über
das Für und Wider des Messesplits. Während die
Befürworter vor allem die erweiterte Ausstellungsfläche
und die besseren Rahmenbedingungen als Vorteile ins Feld
führten, machten die Gegner der Befürchtung Luft,
dass eine eigenständige CeBIT ohne industrielles Umfeld
an Attraktivität einbüßen werde.
Die
Premiere
So fieberten Aussteller, Besucher und nicht zuletzt die
Deutsche Messe AG der Premiere der Solo-CeBIT mit großer
Spannung, aber auch mit vielen gemischten Gefühlen
entgegen. Am 12. März 1986 war es schließlich
soweit: Auf einer Nettofläche von über 200 000
m² präsentierten 2 142 Aussteller der Büro-,
Informations- und Telekommunikationstechnik ihre Produkte.
In diesem Jahr wurde der Bereich „Telekommunikation“
erstmals in das Programm der CeBIT integriert – damals
noch mit „bescheidenen“ 190 Anbietern.
Allen
Unkenrufen zum Trotz kam die erste eigenständige CeBIT
1986 mit 334 400 Besuchern gut aus den Startlöchern.
Trotzdem gingen die Debatten über die Teilung noch
einige Jahre weiter, schließlich handelte es sich
dabei um die größte Weichenstellung in der Geschichte
der Deutschen Messe AG und eine der größten Operationen,
die im weltweiten Messegeschäft durchgeführt wurde.
Zunehmend erhielt die CeBIT ihren festen Platz im Terminkalender
der Aussteller und Fachbesucher, zumal die Deutsche Messe
AG das CeBIT-Konzept konsequent weiterentwickelte. Die Struktur
der Hallenbelegung verbesserte sich durch die verstärkte
Gliederung nach Branchensegmenten deutlich, und die Anordnung
der Produktsortimente wurde übersichtlicher. Die Anbieter
wiederum nutzten die ihnen angebotene Ausstellungsfläche,
vergrößerten ihre Hauptstände und präsentierten
sich zunehmend auch in anderen Hallen.
Die
Erfolgsstory
So entwickelte sich die CeBIT zur wichtigsten IT-Messe des
Jahres. Die Zahl der Aussteller legte genauso kontinuierlich
zu wie die der Besucher, die sich selbst durch unerwartete
Wetterkapriolen vom Gang über die Messe nicht abhalten
ließen. Als 1987 zwei Tage vor Beginn der CeBIT die
niedersächsische Landeshauptstadt nach einem überraschenden
Schneesturm in einer über einen Meter hohen weißen
Pracht zu versinken drohte, und die Messe nur aufgrund des
unermüdlichen Einsatzes zahlreicher Helfer pünktlich
starten konnte, fanden sich im Laufe der achttägigen
„SchneeBIT“, wie sie fortan hieß, 406
474 Besucher ein.
Mit
dem Beginn der 90er Jahre hatte die CeBIT endgültig
den Durchbruch im internationalen Messegeschäft geschafft.
Obwohl die IT-Industrie zunehmend in eine schwere Rezession
geriet und zugleich zahlreiche traditionelle Universalanbieter
intern mit gravierenden Umwälzungen zu kämpfen
hatten, fanden sich alle jährlich in Hannover ein.
DV-Strategien wie Client-Server-Computing, Outsourcing und
Data Warehousing machten von sich reden, moderne Netzwerktechnologien
hielten Einzug, und Multimedia sowie Internet zogen zunehmend
auch wieder das Schaupublikum an.
Es
wurde immer enger auf dem mittlerweile komplett genutzten
Messegelände. Die Flächenkapazität des Messegeländes
reichte Jahr für Jahr weniger aus, obwohl die Deutsche
Messe AG begann, alte Hallen abzureißen und durch
neue, moderne zu ersetzen. Auch die Warteliste der Unternehmen,
die mangels Platz nicht teilnehmen konnten, stieg wieder
an. Die Hallen waren überfüllt, und das fachliche
Gespräch mit dem IT-Profi war kaum mehr möglich.
So ging die CeBIT 1995 mit 6 111 Ausstellern und 755 326
Besuchern, davon mehr als 100 000 aus dem Ausland, zwar
als „Mega-CeBIT“ in die Geschichte des Messewesens
ein, doch angesichts der wachsenden Begeisterung des Privatpublikums
drohte der Fachcharakter der CeBIT verloren zu gehen. Rund
218 000 Privatleute wurden 1995 gezählt – das
waren etwa 29 Prozent der Gesamtbesucherzahl.
Reprofessionalisierung
der CeBIT
Um den Business-Charakter der CeBIT aufrecht zu erhalten,
musste sie „reprofessionalisiert“ und der Anteil
der Privatbesucher verringert werden. Eine Maßnahme
war die deutliche Erhöhung der Eintrittspreise ab der
CeBIT 1996. Ein weiteres Novum stellte die Reduzierung der
Veranstaltungsdauer auf sieben Tage dar, womit die Deutsche
Messe AG den Wünschen der Aussteller nachkam. Darüber
hinaus kündigte die Messegesellschaft an, ab August
1996 alle zwei Jahre eine weitere CeBIT für den Handel,
den SOHO-Bereich (Small Office / Home Office) und die privaten
PC-, Multimedia- und Internet-Konsumenten zu veranstalten:
die CeBIT HOME – World of Home and Consumer Electronics.
Die
erste CeBIT HOME wurde 1996 mit 632 Ausstellern auf einer
Fläche von 52 248 Quadratmetern durchgeführt.
Sie erreichte rund 215 000 Besucher. 1998 waren 586 Aussteller
auf 48 370 Quadratmetern vertreten. Die Besucherzahl lag
bei 175 000. Die CeBIT HOME 2000, die wegen der in Hannover
stattfindenden EXPO 2000 in Leipzig durchgeführt werden
sollte, wurde aufgrund einer zu geringen Ausstellerbeteiligung
abgesagt.
Der
Anteil der Privatbesucher der CeBIT hat sich seit 1996 deutlich
verringert und liegt mittlerweile bei etwa 15 Prozent. Entsprechend
stieg der Fachbesucheranteil auf 85 Prozent.
Längst
ist unumstritten, dass die CeBIT die internationale Leitmesse
der Informations- und Telekommunikationstechnik schlechthin
ist. Mit über 6 500 Ausstellern und etwa 355 000 Quadratmetern
ist sie auch im Jahr 2003 die größte Messe der
Welt. Darüber hinaus nimmt sie im weltweiten Vergleich
der ITK-Messen mit rund 2 800 ausländischen Unternehmen
aus 69 Ländern die Spitzenposition in puncto internationaler
Beteiligung ein.
CeBIT-Aktivitäten
im Ausland
Aus dem Erfolg der CeBIT am Messeplatz Hannover resultierte
die Überlegung, das Konzept der CeBIT auch international
zu vermarkten. Mit dem Slogan „CeBIT worldwide Events“
werden international tätige Kunden mit maßgeschneiderten
Messekonzepten und dem Messe-Know-how „Made in Hannover“
in ausgewählte Zukunftsmärkte geführt. Die
konkrete Umsetzung des CeBIT-Konzeptes erfolgte nach gründlicher
Marktanalyse über die Etablierung neuer eigener Messen
und über den Einkauf bzw. die Beteiligung an bereits
existierenden Veranstaltungen. Während zur CeBIT in
Hannover das internationale Top-Management anreist, können
bei Messen im Ausland weitere Besucherzielgruppen, wie z.
B. das mittlere Management, angesprochen werden. So fiel
1999 die Entscheidung, die CeBIT zu internationalisieren,
sie jedoch nur auf einem Messeplatz pro Kontinent durchzuführen.
Dabei greift die Deutsche Messe AG auf ihre 15-jährige
Erfahrung in der Durchführung von Auslandsmessen zurück.
Mittlerweile
werden CeBIT Events in der Türkei (CeBIT eurasia Bilisim
und CeBIT Broadcast Cable & Satellite), in Asien (CeBIT
asia und CeBIT Home Electronics in Shanghai) und in Australien
(CeBIT australia) durchgeführt.
Auch
der nordamerikanische Kontinent ist Fokus des CeBIT-Auslandsengagements.
Für Juni 2003 steht die erste CeBIT-Veranstaltung auf
dem nordamerikanischen Kontinent auf dem Programm: die „CeBIT
america“.